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Seeley MKII Norton 2

Handarbeit

Seeley MKII Norton

Teil 2

Als wir Dan Rose und sein Projekt der klassischen Seeley-Norton am Ende von Teil I verließen, hatten er und sein Team sie gerade auf eine Rennstrecke gebracht, wo sie ihre Wiederaufführung feiern sollte. Doch kaum war der getunte Norton Zweizylinder zum Leben erweckt, zwang ein unnormales Tickern im Motor die Truppe zurück in die Werkstatt.

Zur Startaufstellung

Road America Vintage Motorcycle Classic Wisconsin

In der Woche nach dem fehlgeschlagenen Rennstreckentest machte Pilot und Chefmechaniker Kenny den Motor auf, ersetzte den beschädigten Ventilstößel und die Nockenwelle und baute alles wieder sorgfältig zusammen – gerade rechtzeitig, um es noch zum Road America Vintage Motorcycle Classic in Wisconsin zu schaffen.Nach einigen Proberunden und Feineinstellung am Vergaser lief die Norton richtig gut. Zum ersten Mal schien der Traum, eine echte Rennmaschine mit klassischer DNS wiederzubeleben, in Erfüllung zu gehen.

Zu spät

Der letzte Aufruf war schon lange verhallt

Als unsere Formel-750-Klasse am späten Nachmittag aufgerufen wurde, warf sich Kenny in sein Leder und wir starteten die Maschine. Doch bevor wir zur Startaufstellung kamen, feuerte die Norton Fehlzündungen ab. Sofort ausmachen, Vergaserdeckel abnehmen und die Bedüsung überprüfen – alles okay. Schließlich fanden wir die Ursache im Prototypen des Zündsystems, dem die Sommerhitze nicht behagte, doch wir waren zu spät. Der letzte Aufruf war schon lange verhallt, und das Filmteam einer TV-Reality-Show, das uns begleitete, konnte wieder nur unsere Verzweiflung filmen.

Der Geduldsfaden reißt

Das Motorrad besäße mich

Es war eine lange 1000-Meilen-Fahrt zurück nach New York, die Norton unübersehbar im Rückspiegel des Transporters. Anstatt ein klassisches Rennmotorrad zu besitzen machte es mehr den Anschein, als besäße das Motorrad mich. Der Reiz des Neuen hatte sich abgenutzt, und wir alle hatten andere Prioritäten zu setzen.Einen Monat später fuhr Kenny mit der Norton zu den AMA Vintage Motorcycle Days in Ohio, wo er einige letzte Probleme an der Maschine löste und die Filmarbeiten abschloss. Doch trotz ausgeschalteter Kameras und sauber laufender Maschine wussten wir, dass unsere größte Herausforderung noch kommen sollte.

Barber

Die große Bewährung

Der erste Morgen des Barber Vintage Festivals in Birmingham (Alabama) sah uns eine Box teilend mit Ken McIntosh und dem früheren 500er-Weltmeister Kevin Schwantz, dessen atemberaubende Norton Manx zwischen 18 anderen Motorrädern unter unserem zwölf Meter langen Baldachin stand. Rekordverdächtige 50.000 Zuschauer waren an dem Wochenende dabei, die Luft summte vor Betriebsamkeit. Schon der erste Trainingstag forderte seinen Tribut, als Jahrzehnte alte Maschinen an ihre Grenzen und darüber hinaus getrieben wurden. Der Ehrgeiz von Amateuren und Profis manifestierte sich in zahlreichen roten Flaggen, die die steigende Zahl von Stürzen am Nachmittag signalisierten.Wir gewöhnten uns ans Chaos, zogen die Köpfe ein und fuhren unsere Testrunden. Die Maschine lief hervorragend, abgesehen von einem Zittern an der Front in Schräglage. Wir konzentrierten uns darauf, die Federung für Maria Costello, eine erfolgreiche britische Rennfahrerin, die Kenny für dieses Wochenende für uns engagieren konnte, penibelst einzustellen.

Der Blick vom Podium

entschädigte für die ganze Arbeit

Das Rennen unserer BEARS-Klasse war das letzte des Tages. Nach starkem Start wussten wir, es läuft gut für Maria und uns. Als dann die weiße Flagge die vorletzte Runde anzeigte, kämpfte Maria auf Platz zwei um die Spitze, und als der führende Tim Joyce ein mechanisches Problem bekam, zog Maria an ihm vorbei und sah als erste die Zielfahne. Das Gefühl des Sieges begann in unser Bewusstsein einzudringen. Es hatte eine ganze Saison gebraucht, um ein Motorrad aus den Seiten eines Geschichtsbuchs wieder aufzubauen und auf die Rennstrecke zu schicken. Der Blick vom Podium entschädigte für die ganze Arbeit und alle Frustrationen die es brauchte, um dort hinzukommen.