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WILD HOGS
2 Typen aus Holland
unterwegs
Wild Hogs
Die Idee kam vor ein paar Jahren auf der Geburtstagsparty eines Freundes: 2011 würde ich 40 und Henk 45. „Gutes Alter für eine original Midlife-Crisis-Tour“, sagten wir uns und dachten an den Film „Wild Hogs – saumäßig unterwegs“ mit John Travolta. Es musste eine Tour in den USA werden, soviel stand fest. Aber keine organisierte Reise über die Route 66 – so alt waren wir nun doch nicht! Es musste ein Abenteuer werden. Es musste spontan sein. Als wir in Las Vegas aus dem Flugzeug stiegen, hatten wir lediglich unser Hotel für die erste Nacht und unsere Motorräder fest gebucht. Dann begann eine Tour, die wir nie vergessen sollten.
Las Vegas
Willkommen in Amerika
Nach einer geschmeidigen Atlantik-Überquerung steigen wir in Atlanta um und sind fünf Stunden später in Las Vegas. Aus dem Flugzeugfenster sehen wir den Las Vegas Strip, bevor wir auf dem McCarren Airport landen. Henk erlebt sein erstes Highlight der Tour: „sein“ zauberhaftes Vegas! Wir checken in unserem Hotel ein und Henk hat schon tausend Ideen für den Abend in Sin City. Doch nach ein paar Stunden und Drinks erwischt uns die lange Reise, wir wilden Kerle sind schnell gezähmt. Also Plan B: kurz ins Spielcasino, ein bisschen Unterhaltung, ein Absacker und ab ins Bett.
Harley Davidson
Der erste Morgen
Am nächsten Morgen erscheinen wir bei Harley-Davidson Las Vegas, erledigen den Papierkrieg, werfen uns in unsere REV’IT! Klamotten und rollen auf unseren Harleys vorsichtig vom Hof. Trotz der Warnungen der Angestellten vor Schnee – hey, wir sind aus Holland – wenden wir uns dem Wilden Westen zu Richtung Kalifornien. So weit das Auge sieht, zieht sich die Straße durch eine traumhafte Landschaft. Davon hatten wir all die Monate geträumt. Dieses Gefühl, diese Aussicht, diese Freiheit. Am Abend landen wir in einem 60er-Jahre-Motel, sitzen mit einem Bier am Pool und reden über unsere ersten Eindrücke von meiner Sportster 1200 und Henks Fatboy 1600. Wir nennen sie Stan und Ollie. Nach dem Tag sind wir noch aufgeregter.
Abenteuer in der Wüste
Tag zwei
Die Mojave-Wüste erwartet uns. Wir nehmen die Thermofutter aus unseren Jacken und kommen in den Death Valley National Park. Die Temperaturen steigen, während wir Devil’s Playground, Badwater Basin und Furnace Creek passieren. Diese imposante Landschaft muss man gesehen haben. Wir fahren weiter auf der 190 West, Henk vorneweg und ich singe „Born to be wild“. Plötzlich Panik bei mir: Mitten in der Wüste zeigt die Tankuhr leer an. Henk ist gerade hinter der nächsten Kuppe verschwunden. Ich packe das Abenteuer beim Schopf, er wird sicher schnell merken, wenn ich nicht mehr hinter ihm bin. Also beruhige ich mich und fahre weiter. Schneebedeckte Berge kommen in Sicht, kurz darauf hat uns die Zivilisation wieder. Nach einer fantastischen Fahrt tanken wir die Harleys und uns auf. Wir lassen die Mojave-Wüste hinter und haben die Sierra Nevada vor uns.Wüste und Schnee so dicht beieinander ist ein verwirrender, aber traumhafter Anblick.
Heftiger Schneefälle
Härtetest für die REV’IT! Ausrüstung
Das Temperaturgefälle zwischen dem Death Valley und Bishop ist immens. Einige Touristen, die aus San Francisco kommen, erzählen uns, dass alle Pässe wegen heftiger Schneefälle gesperrt seien. Der klügste und einfachste, aber langweiligste Weg wäre der durch die Berge. Dann kommt uns das Gerücht zu Ohren, ein Pass sei heute offen. Wir fällen selten kluge Entscheidungen, warum sollten wir es heute tun? Norden ist die Richtung. Die Straße ist beinahe leer, stundenlang fahren wir nebeneinander her. Je weiter wir nach Norden kommen, desto kälter wird es. Neben der Straße sehen wir Leute mit Schlittenhundegespannen und Schneemobilen. Sie schauen uns ungläubig hinterher. Ein paar Stunden später passieren wir den Lake Topaz und kommen richtig ins Gebirge. Es ist wirklich kalt, die Sicht ähnelt einem Gemälde von Bob Ross. Auf einer Hochebene bläst ein kräftiger Wind und Schnee fällt. Was für ein Trip! Neben uns, fast auf gleicher Höhe, strömt ein strahlend blauer Fluss. Dann das Schild: ‚Carson Pass – OPEN’. Hier sind wir.
Fahrt Ihr nach
San Francisco?
Nach einer lustigen Nacht in der widerlichsten Bar aller Zeiten nehmen wir Kurs auf San Francisco. Über Candlestick Park, 3rd Street und Embarcadero erreichen wir die eindrucksvolle Bay Bridge. Für Fotos parken wir auf dem Boulevard neben Fisherman’s Wharf, mit Alcatraz im Hintergrund. Der Rhythmus und die Atmosphäre der Stadt sind fantastisch! Henk freut sich auf den nächsten Tag, wenn wir die Strecken aus der TV-Serie „Die Straßen von San Francisco“ mit Henk’s Kindheits-Helden Michael Douglas abfahren. Über die Golden Gate Bridge zu fahren ist großartig.
Route 1
und Hells Angels
Nächster Tag, nächster Höhepunkt: Highway Number 1 oder Route 1. Pittoreske Küstenstädtchen, kurvige Straßen, traumhafte Strände, riesige Wellen, endloser Ozean und eine warme Brise. Alles, was wir über die berühmteste Küstenstraße der USA gelesen haben, stimmt. Über Half Moon Bay, Santa Cruz und Monterrey erreichen wir Carmel Bay, dann retour zum Motel in Monterrey. Hier treffen wir echte Wild Hogs: kanadische Hells Angels, die den gesamten Pacific Coast Highway abfahren. Für uns haben sie schlechte Nachrichten: Route 1 ist von Big Sur bis San Simeon gesperrt. Ich mag nicht glauben, dass uns der schönste Teil der Route 1 verwehrt bleibt, das ist wirklich ärgerlich. Enttäuscht wählen Henk und ich eine andere Strecke. Und glücklicherweise finden wir eine Alternative, die unsere Enttäuschung schnell abbaut. Wir fahren an der Rennstrecke von Laguna Seca vorbei, verlassen die Berge und finden uns in endlosen Artischockenfeldern, Orangen- und Mandelplantagen wieder. Dann erscheinen zwischen Blackwells und Lost Hills Ölfelder. Schnell fahre ich einen Berg hoch, um den Frust über den gesperrten Highway Number 1 endgültig aus meinem System zu löschen.
Kalifornien
und Johnny Cash
Die Straße ändert sich schnell, wird enger, und bevor wir uns versehen, hängen wir in einer Haarnadel nach der anderen, auf Schotter. So eine Strecke passt eher in die Alpen. Wieder fahren wir im Schnee, es friert. In der Dämmerung sehen wir auf einem Berg unser Ziel: Isabella Lake. Zwischen uns und dem See liegt tatsächlich die wohl steilste Straße des Staates. Wir fragen im ersten Motel am Seeufer nach einem Zimmer und sie haben tatsächlich eins frei. Über die Straße liegt eine Kaschemme namens The Lode. Als wir reinkommen, singt eine wilde Meute Karaoke zu Johnny Cash. Einige fallen betrunken neben dem Billiard-Tisch zu Boden. „I got stripes, stripes around my shoulders. I got chains, chains around my feet…” Allein das ist die Reise wert.
1984,2 Meilen fliegen vorbei
Zurück im Death Valley
Ein Krokodil-Burger zum Frühstück, eine lokale Spezialität, klingt sehr aufregend. Aber das wäre etwas zuviel, nachdem wir die Nacht zuvor mit unseren Karaoke-Freunden gefeiert haben. Wir müssen erneut durchs Tal des Todes, bei 108° Fahrenheit (über 42° Celsius). Wir öffnen jede nur mögliche Lücke in unserer Bekleidung, um ein klein wenig Fahrtwind zu erhaschen. Ab Aguerreberry Point ist die Straße perfekt, wir genießen eine fantastische Bergabfahrt.Wir finden ein Motel am Seeufer bei Boulder City. Mit einem Bier in der Hand reden wir über die Erfahrungen der beiden letzten Wochen. Nach Monaten der Vorfreude fliegen 1984,2 Meilen wie ein Blitz vorbei. Morgen kehren wir zurück nach Vegas, um die Harleys zurückzugeben. Was dann noch bleibt, ist ein erneuter Versuch, ordentlich einen drauf zu machen. Auf dem Rückflug werden wir dann unsere Wild Hog Tour 2012 planen.

